Das macht dann 53,50.
Mittwoch, 26. Oktober 2011, 02:13
Ich bin ja nicht so der Typ, der sich beim Bäcker hinsetzt und gemütlich an einem Brötchen rumkaut, langsame Schlucke eines Latte Macchiato genießt und dabei den Tag verplant. Eher nehm ich den Kaffee auf die Hand und klappere meine Stammläden ab, um mich dann dem Einkauf bei einem Nahversorger meines Vertrauens zu widmen. Zumindest ist das Samstags so. Zumindest wenn ich es schaffe, früh genug aufzustehen. Nun hab ich aber Urlaub. Und da ich dazu neige, erst alles zu erledigen, bevor ich meinem Magen zumindest das wesentliche zuführe und dieser mir das immer mit sehr großem Gejammer verdenkt... Na, da war ich heute mal vernünftig.
Haben Sie das mal gemacht? Sich beim Bäcker hingesetzt? Also ich rede jetzt nicht von so einem schönen Cafe und lecker frühstücken, eine völlig verknitterte Tageszeitung neben sich, die man nie wieder so zusammengelegt bekommt, wie sich das gehört, ähnlich Städtplänen (für die Jüngeren, das war dieses Ding das eure Väter im Auto immer fluchend zerknüllt haben und weswegen sich auf halber Urlaubsstrecke meist der erste Familienstreit ergeben hat - der Vorgänger vom Navi). Wahlweise hat man ein Buch dabei. Also im Cafe. Und genießt dort nicht nur den Morgen, sondern auch den Mittag. Sofern die Besitzer das mitmachen. Und man früh genug aufsteht. Allerdings meine ich so einen schnell rein, schnell raus Bäcker, quasi Quickie-Gebäck. Und so ein Bäcker ist relativ gruselig. Wenn man sich dort länger aufhält. Wie ich heute feststellen durfte. Zumal wenn man nur noch den Platz ganz vorn an der Tür bekommen hat, also der genau gegenüber der Theke. Erstmal kann ich an solchen Orten nicht wirklich genußvoll essen. Und dann bin ich auch nicht gerade erpicht auf Menschenmassen. Ich hatte das mit dem Aufstehen erwähnt? Tja, es war Rushhour. Es waren mehr Menschen in dem kleinen Gebäude, als es vertragen konnte. Die Menschen drängelten sich nicht nur an meinem Tisch vorbei, ich war zwischenzeitlich nah dran mein erbeutetes Brötchen nebst Kaffee unter Gewaltandrohnung zu verteidigen. Allerdings hatte ich dafür keine Hände mehr frei. Weil ich mir nämlich die Ohren zuhalten musste. Schließlich musste Vaddern (noch in der Tür stehend) seinem Muddchen (recht weit vorn in die Schlange gekämpft) ja mitteilen, dass hier ganzzzz vorn noch ein Tischchen frei sei. Kurz machte sich Panik in mir breit, ob er mir gleich den Stuhl wegziehen würde, aber er meinte tatsächlich das in die Ecke gequetschte Tischchen hinter mir.
Derlei überstanden widmete ich mich erschöpft meinem Mini-Frühstück. Und dann kam die Mutter. Mit ihrem Kind. Ich habs ja nicht so mit Kindern. Also wenn die einigermaßen vernünftig sind, find ich die okay. Oder auch mal lustig. Meistens aber kann ich mit denen nix anfangen. Das ist hier allerdings irrelevant. Eher relevant ist mein latent entwickelter Hygiene-Tick, den ich hier kurz einwerfen möchte. Sie werden das gleich merken, vielleicht verhelfe ich Ihnen sogar zu einem. Das täte mir dann leid. Besser ist nämlich, man denkt über manches gar nicht zu lange nach. Also dieses Kind nun. Das tobte wie Kinder das eben so machen gleich mal quer durch den Laden, schaute sich alles genau an, klebte die kleinen Patschpfötchen an die frisch gewischten Scheiben, die die ausgelegte Ware vor den Kunden schützt. Sie kennen diese Glasscheiben? Sie wissen, dass die nie ganz dicht sind? Oben und unten ist immer ein Spalt frei. Heute habe ich mich gefragt, warum das wohl so ist. Wegen Dunst? Beschlagen die sonst? Mag sein. Ich kenne aber einen Grund, warum die Scheiben ganz dicht sein sollten - und zwar rundum. Gerade als ich einen Schluck von meinem Kaffee nahm, fing besagtes Kind nämlich an zu husten. Und zwar mal so richtig. Und entweder war Hand-vor-den-Mund in der Erziehung nicht vorgesehen gewesen oder das Kind war schlichtweg ignorant.
Ich find das ja schon fürchterlich, wenn gutmeinende Kollegen der Ansicht sind, sie müssten sich ins Büro schleppen "damit ihr meine Arbeit nich noch mitmachen müsst". Sie kommen dann morgens reingeschlurft, hinterlassen mit ihren fiebrig-klebrigen Händen überall so feuchtglitschige Abdrücke, husten, dass einem die Ohren weh tun und knüddeln an feuchtgerotzten Taschentüchern rum. Da die Hirnleistung meist beeinflusst ist, der Körper ist schließlich auf Erholung gepolt, fragen sie viel und ehe man sich versieht hat man so eine vollgebatschte PC-Maus in der Hand, um auf dem Monitor was zu zeigen.
Zurück zu dem Kind. Das eigentlich auch ins Bett gehört hätte. Aber wahrscheinlich war es ja gar nicht mehr ansteckend. Das sind Menschen mit Grippe ja nie. "Nene, du, das is gar nich mehr ansteckend, das is nur noch so nen ganz bisschen Schnupfen." Is klar. Sie wissen noch wo das Kind stand? Ganz genau, vor der komplett ausgelegten Ware. Die Frau Mama kaufte ihm gerade ein Rosinenbrötchen. Und während ich mein Geschirr zusammenstellte, einen letzten Schluck Kaffee nahm und meine Jacke anzog, da habe ich mir vorgestellt, dass die Bäckereifachverkäuferin (was für ein schönes Wort das doch ist) sagt: "Det macht jetze 53,50. Fuffzig für dat Brötchen. Die Dreiundfuffzich sind für die Auslage. Soll ichs ihnen einpacken?".
Haben Sie das mal gemacht? Sich beim Bäcker hingesetzt? Also ich rede jetzt nicht von so einem schönen Cafe und lecker frühstücken, eine völlig verknitterte Tageszeitung neben sich, die man nie wieder so zusammengelegt bekommt, wie sich das gehört, ähnlich Städtplänen (für die Jüngeren, das war dieses Ding das eure Väter im Auto immer fluchend zerknüllt haben und weswegen sich auf halber Urlaubsstrecke meist der erste Familienstreit ergeben hat - der Vorgänger vom Navi). Wahlweise hat man ein Buch dabei. Also im Cafe. Und genießt dort nicht nur den Morgen, sondern auch den Mittag. Sofern die Besitzer das mitmachen. Und man früh genug aufsteht. Allerdings meine ich so einen schnell rein, schnell raus Bäcker, quasi Quickie-Gebäck. Und so ein Bäcker ist relativ gruselig. Wenn man sich dort länger aufhält. Wie ich heute feststellen durfte. Zumal wenn man nur noch den Platz ganz vorn an der Tür bekommen hat, also der genau gegenüber der Theke. Erstmal kann ich an solchen Orten nicht wirklich genußvoll essen. Und dann bin ich auch nicht gerade erpicht auf Menschenmassen. Ich hatte das mit dem Aufstehen erwähnt? Tja, es war Rushhour. Es waren mehr Menschen in dem kleinen Gebäude, als es vertragen konnte. Die Menschen drängelten sich nicht nur an meinem Tisch vorbei, ich war zwischenzeitlich nah dran mein erbeutetes Brötchen nebst Kaffee unter Gewaltandrohnung zu verteidigen. Allerdings hatte ich dafür keine Hände mehr frei. Weil ich mir nämlich die Ohren zuhalten musste. Schließlich musste Vaddern (noch in der Tür stehend) seinem Muddchen (recht weit vorn in die Schlange gekämpft) ja mitteilen, dass hier ganzzzz vorn noch ein Tischchen frei sei. Kurz machte sich Panik in mir breit, ob er mir gleich den Stuhl wegziehen würde, aber er meinte tatsächlich das in die Ecke gequetschte Tischchen hinter mir.
Derlei überstanden widmete ich mich erschöpft meinem Mini-Frühstück. Und dann kam die Mutter. Mit ihrem Kind. Ich habs ja nicht so mit Kindern. Also wenn die einigermaßen vernünftig sind, find ich die okay. Oder auch mal lustig. Meistens aber kann ich mit denen nix anfangen. Das ist hier allerdings irrelevant. Eher relevant ist mein latent entwickelter Hygiene-Tick, den ich hier kurz einwerfen möchte. Sie werden das gleich merken, vielleicht verhelfe ich Ihnen sogar zu einem. Das täte mir dann leid. Besser ist nämlich, man denkt über manches gar nicht zu lange nach. Also dieses Kind nun. Das tobte wie Kinder das eben so machen gleich mal quer durch den Laden, schaute sich alles genau an, klebte die kleinen Patschpfötchen an die frisch gewischten Scheiben, die die ausgelegte Ware vor den Kunden schützt. Sie kennen diese Glasscheiben? Sie wissen, dass die nie ganz dicht sind? Oben und unten ist immer ein Spalt frei. Heute habe ich mich gefragt, warum das wohl so ist. Wegen Dunst? Beschlagen die sonst? Mag sein. Ich kenne aber einen Grund, warum die Scheiben ganz dicht sein sollten - und zwar rundum. Gerade als ich einen Schluck von meinem Kaffee nahm, fing besagtes Kind nämlich an zu husten. Und zwar mal so richtig. Und entweder war Hand-vor-den-Mund in der Erziehung nicht vorgesehen gewesen oder das Kind war schlichtweg ignorant.
Ich find das ja schon fürchterlich, wenn gutmeinende Kollegen der Ansicht sind, sie müssten sich ins Büro schleppen "damit ihr meine Arbeit nich noch mitmachen müsst". Sie kommen dann morgens reingeschlurft, hinterlassen mit ihren fiebrig-klebrigen Händen überall so feuchtglitschige Abdrücke, husten, dass einem die Ohren weh tun und knüddeln an feuchtgerotzten Taschentüchern rum. Da die Hirnleistung meist beeinflusst ist, der Körper ist schließlich auf Erholung gepolt, fragen sie viel und ehe man sich versieht hat man so eine vollgebatschte PC-Maus in der Hand, um auf dem Monitor was zu zeigen.
Zurück zu dem Kind. Das eigentlich auch ins Bett gehört hätte. Aber wahrscheinlich war es ja gar nicht mehr ansteckend. Das sind Menschen mit Grippe ja nie. "Nene, du, das is gar nich mehr ansteckend, das is nur noch so nen ganz bisschen Schnupfen." Is klar. Sie wissen noch wo das Kind stand? Ganz genau, vor der komplett ausgelegten Ware. Die Frau Mama kaufte ihm gerade ein Rosinenbrötchen. Und während ich mein Geschirr zusammenstellte, einen letzten Schluck Kaffee nahm und meine Jacke anzog, da habe ich mir vorgestellt, dass die Bäckereifachverkäuferin (was für ein schönes Wort das doch ist) sagt: "Det macht jetze 53,50. Fuffzig für dat Brötchen. Die Dreiundfuffzich sind für die Auslage. Soll ichs ihnen einpacken?".
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